Da arbeitet man 2 Jahre lang intensiv mit einem Kollegen zusammen. Verbringt sehr häufig 8 Stunden zusammen auf engsten Raum in einem Auto. Erfährt mit der Zeit alles, was den Kollegen in Freud und Leid bewegt. Gehört zu den Ersten, die erfahren wenn in der Ehe etwas schief läuft, wenn das Kind Erfolge erzielt oder einen Bock geschossen hat, wenn die Finanzen in Schieflage geraten oder der große Gewinn erziehlt wurde.
Steht in bedrohlichen, traurigen, ärgerlichen oder lustigen Situationen zusammen.
Dann wechselt man den Arbeitsplatz. Sieht sich nur noch selten und lernt andere Kollegen ebenso tief kennen.
Schließlich kommt das erste Kind und man geht in die Elternzeit. Hat nichts mehr mit den Kollegen zu tun. Hört ab und zu einige Kleinigkeiten aber das war es auch.
Und dann hilft der Ehemann auf der jetzigen Dienststelle des "alten" Kollegen aus und erzählt in einem Telefonat, daß er jetzt auf dem Arbeitsplatz des Kollegen sitzt und arbeitet.
Der Kollege sei zur Zeit krank geschrieben.
Und dann mußt du hören, daß dieser Kollege schwer an Krebs erkrankt ist. Metastasen in Leber und Knochen hat und jetzt seine zweite Chemotherapie durchmacht......
Und Du merkst richtig, wie das Wort "Krebs" sich in Deine Gedanken frißt und die Welt sich langsamer dreht, weil Du versuchst, die ganze Dimension zu begreifen und es nicht schaffst.
Und das Erste was Dir einfällt ist, daß der Kollege damals einen Sohn im Kindergartenalter hatte und der dort immer zu den "Mädchenbeschützern" gehört hat und bei den Minikickern war, die Dein Kollege trainiert hat.
Jetzt ist der Sohn ca. 13 Jahre alt und der Kollege 50 Jahre und tief im Herzen weißt Du ganz genau, daß Dein Kollege nicht mehr viel Zeit hat......
Seit Montag weiß ich jetzt, daß Frank Krebs hat und ich fühle mich jedesmal wie vor den Kopf geschlagen, wenn ich daran denke....
Ich habe nie darüber nachgedacht, aber irgendwie habe ich wohl die Vorstellung gehabt, daß sich nichts ändert, während man Abwesend ist. Naiv ist das und völlig falsch.